Anleitung zur Kenntnis und Behandlung der Pistole 1900/06 (Swiss Army, 1911)
Anleitung
zur
Kenntnis und Behandlung -
der
Pistole 1900/06
Vom schweiz. Bundesrate genehmigt
den 31. Januar 1911
Inhalt.
Bestandteile
Zugehör .
Zerlegen .
Zusammensetzen .
Weiteres Zerlegen und ta usammensetzen .
Handhabung
Funktionen .
Reinigen und Unterhalt .
Die Munition . 2
Einige Angaben betreffend Pistole
Tafel, eingeheftet.
Die Pistole 1900/06.
Die Pistole 1900/06 ist eine automatische Waffe,
Als solche bezweckt sie — nebst der Erreichung
eines hohen Feuereffektes — durch das selbsttätige
Oeffnen, Spannen und Schliessen des Verschlusses,
die mechanische Tätigkeit des Schützen zu redu-
zieren, damit, abgesehen vom paketweisen Laden,
seine volle Kraft und Aufmerksamkeit verwendet
werde auf die Haupttätigkeiten:
Zielen und Abfeuern.
Bestandteile.
Die Pistole zerfällt in einen beim Schusse be-
weglichen und einen beim Schusse unbeweglichen
Teil.
Der bewegliche Teil setzt sich zusammen aus:
Lauf (1), an das Gabelgehäuse angeschraubt,
mit eingeschlauftem Korn (2), Kaliber 7,65 mm,
4 rechtsgängige Züge mit ı Umgang auf 250 mm,
Gabelgehäuse (3) mit dem Grenzstollen (a), den
Führungen (b) zum Griffstiick und dem re (c)
des Verschlussbolzens (4).
Am Gabelgehäuse: der federnde Auswerfer (5)
mit Stollen (a), Ansatz (b) und Nase (c) versehen und
die Abzugstange (6) mit Rast (a) und Schnappstift
(7), welcher durch die Schnappstiftfeder betätigt und
— 4 _
durch die Niete gehalten wird. Die Abzugstangen-
feder (8) drückt die Abzugstange an das Gabelge-
häuse,
Letzteres nimmt den Verschluss auf, bestehend
aus:
Verschlusszylinder (9) mit Fangrast unten, seit-
lichen Führungen und axialer Bohrung zur Aufnahme
der Schlagvorrichtung, die sich zusammensetzt aus:
Schlagstift (10) mit Rast (a), Schlagfeder (11) und
Bodenstück (12) mit Stellansatz (a). Am Verschluss-
zylinder befindet sich ferner der Auszieher (13), der
Auszieherstift und die Auszieherfeder (14).
Verschlussgelenk, gebildet vom Vorder- (15) und
Hintergelenk (16). Jenes hat die Spannase (a), dieses
trägt das Visier (a) und ist an den Gelenkknöpfen
(b) mit den Stossbacken versehen,
Am Hintergelenk ist ferner:
Die Bohrung (c) für den Verschlussbolzen und
die durch den Stift befestigte Äette (17).
Verschlusszylinder, Vorder- und Hintergelenk
sind durch Sfiften miteinander verbunden, während
der Verschlussbolzen die Verbindung des gesamten
Verschlusses mit dem Gabelgehäuse vermittelt.
Der beim Schusse feststehende Teil setzt sich
zusammen aus folgenden Teilen:
Das Griffstück (18), an demselben die Führungen
(a) zum Gabelgehäuse, die Durchbrechung (b) fürs
Magazin, das Lager mit Niete zum Verschlussfang-
gelenk und die Anschlagkurven (c) der Seitenschilde.
Im Griffstück sind eingelegt:
der Riegel (1g) mit Feder (20),
der Abzug (21) mit Feder (22),
der Magazinhalter (23) mit Feder (24),
»
5
das Verschlussfanggelenk (25) mit Feder (26),
die Schliessfeder (27) mit Zugstange (28),
Winkelhebel (29) und Hebelstift,
die Sicherungsvorrichtung, bestehend aus:
Sicherungshebel (30), dessen automatische Wir-
kung durch die Sicherungsfeder (31), dessen Fest-
stellung durch den mittelst Stiff gehaltenen Sperr-
hebel (32) mit Kralle (a) bewirkt wird.
Der Sicherungshebel dreht sich um den Pivot-
zapfen (a), wird von der Feder durch den Stollen (b)
betätigt, ragt mit dem Flügel (c) aus dem Griffrücken
heraus und sichert mittelst der Zunge (d).
Die hölzernen Griffschalen (33), nebst zuge-
hörigen Schrauben (34), die einzigen an der Pistole,
Die Deckplatte (35), daran der Abzugwinkelhebel
(36), gehalten durch den Winkelhebelstift (37).
Das Ansteckmagazin fasst 8 Patronen und setzt
sich zusammen aus dem Blechkasten (38), dem
Patronenzubringer (39) mit angenietetem Führungs-
knopf (40), der Magazinfeder (41) nebst Druck-
knopf (42) und dem hölzernen, durch Stift ge-
haltenen Bodenstück (43).
Zugehör:
2 Reservemagazine und das Putzzeug, be-
stehend aus folgenden Teilen:
Versorgt im Putzstockheft A:
der Putzstock mit Schraubenzieher B,
das Verlängerungsstück C,
der Borstenwischer D,
der Wischkolben E,
Die Pistole wird im Lederfutteral versorgt.
Zerlegen
(soweit für Reinigung und Unterhalt erforderlich).
Bevor die Pistole zerlegt werden darj,
ist strenge darauf zu achten, dass die-
selbe nicht geladen sei. .
1. Wegnehmen des beim Schuss beweglichen Teiles. x
Durch Druck auf Magazinhalter Magazin heraus-
nehmen. Sperrhebel in tiefer Lage.
ar
— Fr
‘
Pistole in rechter Hand, wie in Figur angegeben.
Geradliniges Zurückziehen der Gelenkknöpfe
bis zu den Anschlagkurven,
Riegelknopf nach abwärts stellen.
Verschluss sanft vorgleiten lassen:
Deckplatte hebt sich, wegnehmen derselben,
Lauf mit Gabelgehäuse gleitend vorschieben
und- wegnehmen,
2. Wegnehmen des Verschlusses,
Oeffnen des Verschlusses, Verschlussbolzen nach
links hinausdrücken und nachher Verschluss nach
rückwärts herausziehen,
3. Zerlegen der Schlagvorrichtung.
Mit Zeigefinger rechter Hand das Bodenstück
kräftig eindrücken, nach links drehen bis Stellansatz
frei und dem Federdruck nachgebend abheben.
Schlagfeder und Schlagstift wegnehmen,
ah
Zusammensetzen.
1. Zusammensetzen der Schlagvorrichtung.
Schlagstift und -Feder in den Verschlusszylinder
einlegen, Bodenstück einführen und nach Kompres-
sion der Feder nach rechts drehen, bis Stellansatz
einschnappt. Wenn richtig zusammengesetzt, muss
der Einstrich am Bodenstück genau vertikal stehen,
2. Einsetzen des Verschlusses in das Gabelgehäuse.
Bei dem Gesicht zugewendetem Gehäuseunter-
teil den Verschlusszylinder vorsichtig anstecken und
vorschieben, nachdem durch Druck aufden Schnapp-
stift die Stangenrast ausgelöst wurde.
Damit die Lageraxen stimmen, die Stützflächen
hinter den Gelenkknöpfen aneinanderschieben,
Verschlussbolzen von links einführen,
— jy —
3. Einsetzen des beim Schuss beweglichen Teiles.
Lauf mit Verschluss in linker Hand, die Kette
nach rückwärts gerichtet, der Gehäuseunterteil
gegen oben gewendet.
Griffstück vorsichtig anstecken und vorschieben,
das Ganze aufrechtstellend, damit die Kette in die
Klauen des Winkelhebels einhänge (wichtig!).
Pistole in rechter Hand in Stellung wie Figur
auf Seite 6.
Geradliniges Zurückziehen der Gelenkknöpfe
bis zu den Anschlagkurven.
Deckplatte einlegen, den schmalen Teil gegen
den Riegel gerichtet.
Riegel aufwärts drehen,
Durch wiederholtes Zurückziehen und Vor-
schnellenlassen des Verschlusses, sowie durch
Abziehen, überzeugt man sich von der Funktions-
fähigkeit der zusammengesetzten Teile.
Magazin einführen, bis Halter einschnappt,
Weiteres Zerlegen und Zusammensetzen.
Auswerfer. Wegnehmen: Mit Messerschneide
untergreifend, Hinterteil leicht heben, bis Stollen
am Rand ansteht, hierauf mit Zeigefinger linker
Hand die Nase herausdriicken.
Einsetzen: Auswerfer über die betreffenden
Durchbrüche am Gehäuse legen und sanft auf
Stollen und Ansatz zugleich drücken, :
Abzugstange. Wegnehmen: Mit Messerschneide
Stangenfeder heben und herausstreifen.
Gehäuse nach links drehen, eventuell in hohle
Hand schlagen, Stange fällt heraus.
— oO. —
Einsetzen: Mit Schnappstift nach vorn in Durch-
brechung einlegen; Feder einschieben mit Druck
von oben.
Auszieher, Wegnehmen: Den Stift mittelst Durch-
schlags so weit durchdrücken, dass der Hinterteil
des Ausziehers von seiner Feder gehoben wird,
sodann den Auszieher nach vorn, und die Feder
nach oben herausnehmen,
Einsetzen: Die Feder richtig einstellen, dann
den Auszieher den Hubgrenzleisten entsprechend
von vorn einschieben, niederdrücken, und Aus-
zieherstift wieder einsetzen. Nachher sich vom
richtigen Spiel des Ausziehers überzeugen.
Sicherungshebel. Wegnehmen: Linke Griffschale
nach Lösen der Schraube abheben,
Griffstück auf Unterlage. Sicherungshebel am
Flügel eingedrückt halten, mit rechter Hand den
Pivotzapfen ausheben, Zurückziehen des Siche-
rungshebels.
Einsetzen: Unter Sperrhebel unterlegen und den
Pivotzapfen durch Aufwärtsschieben des Hebels
ins Lager einlassen.
Hierbei sehr acht geben, dass der Stollen hinter
der Sicherungsfeder zu liegen kommt.
Verschlussfanggelenk. Weenehmen: Mit Zeigefinger
rechter Hand leicht heben und zurückschieben.
Einsetzen: Beim Fangstollen so fassen, dass
Mittelfinger auf Feder drücken kann,
Anlegen mit Feder über Stift im Gelenklager.
Vorwärtsschieben unter gleichzeitigem Druck des
Mittelfingers, damit Hacken unter Stift einhänge.
Abzug. Wegnehmen: In der Richtung der Zapfen-
axe herausstreifen.
Do
oo 11 =
Einsetzen : Unter gleichzeitigem Druck auf die
Feder:
Riegel. Wegnehmen: Hebel nach aufwärts
drücken, herausziehen,
Einsetzen: Mit gleichgerichtetem Druck.
Noch weitergehendes Zerlegen darf in der Regel nur
durch Fachkundige geschehen.
Das Magazin soll nicht zerlegt und darf nament-
lich am Korn, sowie an den Kniegelenkstiften,
nichts verändert werden,
Handhabung.
Laden des Magazins: Magazin in linker Hand,
mit Daumen Führungsknopf um Patronenstärke
herunterziehen und gleichzeitig eine Patrone, mit
Boden voran, unter Magazinkrallen schieben.
Wiederholen je für eine weitere Patrone.
Entleeren: Durch leichtes Zurückziehen des
Führungsknopfes die Patronen lockern, die oberste
Patrone nach vorn herausstreifen.
Achtung geben, dass Fiihrungsknopf niemals
frei hochschnellen kann.
Anstecken des Magazins: Vistole in rechter
Hand, wie beim Schiessen ; Einführen des Magazins
mit nach vorn gerichteten Geschossen, bis Magazin-
halter einschnappt. Durch leichten Schlag auf
Bodenstück sich überzeugen, dass dies geschehen.
Herausnehmen: Pistole in rechter Hand so
drehen, dass Daumen auf Magazinhalter drücken
kann. Magazin fällt heraus,
— 12: .—
Laden. Die Mündung immer gegen den Erdbo-
den oder das Ziel gerichtet. Bei angestecktem Ma-
gazin Pistole in rechter Hand, wie zum Schiessen,
aber Zeigefinger längs des Abzugbügels (Siche-
rungsflügel eindriicken): nach links neigen und
mit linker Hand die Gelenkknöpfe zuerst geradlinig,
dann den Anschlagkurven entlang soweit als mög-
lich zurückziehen,
Vorschnellenlassen des Verschlusses: Zylinder
führt eine Patrone ins Lager.
Entladen: Magazin wegnehmen. Vorsicht!
Pistole ist noch immer geladen. Waffe in die rechte
Hand, wie zum Laden. Der kleine Finger der rechten
— 13 —
Hand legt sich unten vor die Magazinéfinung, um
das zur Erdefallen der Patrone zu verhindern, Linke
Hand zieht den Verschluss langsam zurück, der
Zeigefinger gleitet über die Ladeöffnung, um hier
das Herausfallen der Patrone zu verwehren. Patrone
fällt durch den Griff. Nachher Verschluss vor-
schnellen lassen, Entspannen (mit nach der Erde
gerichtetem Lauf abdriicken),
Schiessen : Pistole in Schussrichtung fest in Hand,
Sicherungsflügel eingedrückt. Druckpunkt nehmen,
zielen, abziehen.
Stellung von Sicherungs- und Sperrhebel an
den polierten Flächen von Zunge und Griffstück
von weitem kontrollierbar,
Bei ausgeschossenem Magazin bleibt Ver-
schluss offen, Visierlinie verdeckt,
Zum Schliessen: Magazin wegnehmen — er-
setzen, wenn weiter geschossen werden soll —
Gelenk mit linker Hand etwas zurückziehen und
vorschnellen lassen,
Pistole ist somit nach dem letzten Schusse lade-
bereit, nach Einführen des Magazins feuerbereit,
Wird bei geladener Pistole ein volles Magazin
eingesetzt, so stehen dem Schützen 9 Patronen
zur Verfügung,
Es wird stets aus dem Magazin geladen, selbst
bei langsamem Einzelfeuer,; Einzelladung ohne
Magazin ist möglich, jedoch nicht vorgesehen.
Funktionen.
Im Moment des Schusses geschieht folgendes:
Rückstoss treibt Lauf mit Gabelgehäuse und
— fe
Verschluss zurück, bis Gelenkknöpfe an Anschlag-
kurven anstossen,
Lebendige Kraft — nicht der Gasdruck —
bringt Verschlussteile weiter zurück.
Gelenkknöpfe gleiten hierbei auf Anschlag-
kurven, lösen hierdurch den Verschluss,
Durch Entstehung des Knies gleitet Verschluss-
zylinder zurück: Spannase des Vordergelenks
drückt durch Schlagstift Schlagfeder zusammen;
Hülse wird von Auszieher mitgenommen, prallt an
Auswerfer an, eine neue Patrone tritt vor Ver-
schlusszylinder.
In Spannung nicht gehaltene Schliessfeder streckt
durch Kette das Gelenksystem, bringt gleichzeitig
Gabelgehäuse mit Lauf nach vorn, bis‘ Grenz-
stollen an Riegel ansteht.
Bei Vorbewegung führt Zylinder oberste Pa-
. trone ins Lager, Schlagstift bleibt an Abzugstangen-
rast gefangen, Schlagvorrichtung gespannt.
Die Kralle des Ausziehers tritt in die Rille der
Patrone, Demzufolge verbleibt der Auszieher in et-
was erhöhter Stellung und ist auf dessen linker Seite
das Wort „Geladen“ zu lesen. Durch diese Anord-
nung des Ausziehers ist es jederzeit sichtbar und
fühlbar, ob sich eine Patrone im Laufe befindet,
Ist Magazin leer, so vermag Führungsknopf
Verschlussfanggelenk aufwärts zu drücken, das,
sobald frei, in Fangrast des Zylinders einschnappt,
diesen zurückhaltend. ;
Fanggelenk legt sich durch eigene Federwirkung
nieder, sobald — durch Zurückziehen des vordrük-
kenden Gelenks — Druck auf denselben aufhört.
Abzugvorrichtung; Der Druck auf den Abzug
15 —
wird, vermittelst des Winkelhebels an der Deck-
platte, auf den vorderen Teil — Schnappstift — der
als Doppelhebel wirkenden Abzugstange übertragen,
wodurch die Stangenrast gehoben und aus dem
Eingriff mit der Schlagstiftnase gelöst wird.
Der Druckpunkt wird durch den Absatz des
kurzen Winkelhebelarmes hervorgebracht.
Beim Vorlauf des Gabelgehäuses bleibt der
Schnappstift zunächst hinter dem Winkelhebel und
legt sich erst beim Vorlassen des Abzuges unter
denselben, wodurch die Abzugbewegung vom Vor-
lauf des Gabelgehäuses unabhängig wird,
Sicherung: Die Hebelzunge legt sich, durch
Federwirkung selbsttätig, über den hinteren, ab-
gesetzten Teil der Abzugstange und verhindert in
dieser Lage zuverlässigst sowohl den Rücklauf als
auch das Auslösen der bei geladener Pistole stets
gespannten Schlagvorrichtung,
Die Sicherungssperre wirkt dadurch, dass die
Sperrhebelkralle sich vor den Sperransatz des Siche-
rungshebels legt und dessen Vorbewegung ver-
hindert.
Reinigen und Unterhalt.
a) Es ist in allen Schulen und Kursen, wie auch
bei Uebungen der Schiessvereine strenge darauf
zu halten, dass:
sofort nach Beendigung des Schiessens der Pi-
stolenlauf mit reichlicher Verwendung von Waffen-
fett gründlich gereinigt und nachher gut eingefettet
wird. Ist eine sofortige Reinigung nicht möglich,
so muss wenigstens das Laufinnere tüchtig einge-
fettet und die gründliche Reinigung und Einfettung
der Pistole so bald als möglich vorgenommen werden.
16
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— 78 ze
Der Träger der Waffe hat sich auch zu Hause
durch rechtzeitiges Nachsehen vom Zustand des
Laufinnern zu tberzeugen,
Der Borstenwischer soll so reinlich als méglich
gehalten werden, Das Reinigen desselben erfolgt
durch Waschen in warmem Wasser, am besten in
warmem Sodawasser. Der Borstenwischer muss
nach der Reinigung griindlich ausgetrocknet werden,
b) Zum Reinigen der Pistole werden die Metall-
teile mit einem trockenen Baumwollappen reinge-
rieben, Verharztes Fett wird durch etwas frisches
aufgelöst, sodann werden die Bestandteile mittelst
eines völlig mit Fett durchtränkten reinen Woll-
lappens so eingefettet, dass deren Oberfläche mit
einer die Feuchtigkeit abhaltenden dünnen Schicht
bedeckt ist,
Besonders stark einzufetten sind:
Führungsnuten an Verschlusszylinder und Gabel-
gehäuse, Verschlussbolzen, vorderes und hinteres
Verschlussgelenk,
Vor jedem Gebrauch wird die Waffe aussen
wieder abgerieben, um die Kleider zu schonen.
Bei schénem Wetter geniigt es, die Pistole kurz
nach dem Einrücken von Staub, Schweiss und Feuch-
tigkeit zu reinigen und nachher wieder einzufetten,
Ebenfalls ohne besonderen Befehl sind ausser-
dem das Laufinnere und die einzelnen Verschluss-
teile zu reinigen:
1, nach dem Gebrauch bei Regenwetter,
2, nach jedem Schiessen,
c) Zum Reinigen des Laufinnern verwende man
das beigegebene Putzzeug.
— 19 —
Es ist folgendes Verfahren einzuhalten:
1. Der gefettete Borstenwischer wird wiederholt
(gewöhnlich 15—20 Mal), je nach dem Zustand
des Laufinnern, durch den Lauf gezogen.
2, Zum weitern Reinigen wird ein dünner, zirka
2 cm breiter Baumwollstreifen spiralformig um
den Wischkolben gewunden. Am besten eignen
sich hierzu die in den Gewehrpatronenpaketen
befindlichen Putzlappen.
Der mit dem Baumwollstreifenrichtigumwickelte
Wischkolben wird nun ebenfalls wiederholt durch
den Lauf gezogen, bis das Laufinnere entsprechend
gereinigt ist,
Hernach ist das Laufinnere (Züge und Felder), so-
wohl von der Mündung- als auch von der Patronen-
lagerseite her auf vollständige Sauberkeit nach-
zusehen,
3. Alsdann wird der Wischkolben mit einem
gefetteten Baumwollstreifen umwickelt, so dass er
leicht, aber doch passend durch den Lauf geht. Durch
mehrmaliges Durchziehen wird der Lauf eingefettet.
4. Jede andere Reinigung ist verboten,
d) Nach dem Reinigen wird die Pistole inspi-
ziert, wobei kontrolliert wird: Reinheit im allge-
meinen, Unterhalt der Metallteile, richtiges Einfetten
derjenigen Teile, welche einer Reibung unterworfen
sind, Spiel des Verschlusses, insbesondere der
Schlagvorrichtung und des Abzugs.
e) Das Verstopfen der Mündung mit Lappen,
Pfropfen oder Fett ist, weil gefährlich, verboten.
Kommen Blähungen des Laufes vor, so haben sie
ihren Grund entweder in obigem, absichtlichem
— 20"
Verstopfen der Mündung, oder im Steckenbleiben
von Gegenständen im Laufe. Wird nachher scharf
geschossen, so ist die Blähung unvermeidlich,
Es ist daher in dieser Hinsicht sehr grosse
Vorsicht geboten.
J) Das Herausschiessen im Laufe stecken ge-
bliebener Gegenstände, wie Putzmaterial etc., ist
strenge untersagt. ;
Ist deren Entfernung durch das Putzzeug nicht
möglich, so ist die Waffe dem Büchsenmacher zu
übergeben.
g) Zum Aufbewahren legt oder hängt man die
Pistole an einen trockenen Ort. Staub ist nicht
schädlich, dagegen ist das Aufbewahren in stark
bewohnten und raschen Temperaturwechseln unter-
worfenen Räumen der rostend wirkenden Aus-
dünstung wegen zu vermeiden,
h) Strenge Aufsicht über den Zustand der Be-
waffnung durch die Offiziere, Unteroffiziere und
Leitenden der freiwilligen Schiessübungen ist un-
erlässlich.
Die Munition.
Die Patrone mit Zentralzündung setzt sich zu-
sammen aus:
Hülse mit Zündkapsel,
Ladung und
Geschoss,
Die messingene Hülse mit Rille hat am Boden
zur Aufnahme der Zündkapsel ein Lager mit vor-
stehendem Amboss, welches mit dem Laderaum
durch 2 Feuerlöcher in Verbindung steht,
— 3] —
Die Ladung, 0,30 gr feinkörniges Weisspulver,
füllt die Hülse vollständig aus und erteilt dem Ge-
schoss die Anfangsgeschwindigkeit VTO — 350 m.
Das Geschoss, 6,0 gr schwer, 15 mm lang,
aus Hartblei, ist mit nickelkupferplattiertem Stahl-
mantel versehen.
Verpackung: Die Patronen werden in Karton-
schachteln zu je 24 Stück verpackt.
Exerzierpatrone; Zur Pistole ist eine Blind-
patrone eingeführt. Da dieselbe jedoch nicht ge-
nügend Rückstoss ergibt, erfolgt das Laden nicht
automatisch und muss jeweilen die Ladebewegung
von Hand gemacht werden.
Verpackung: Die blinden Patronen sind in
Kartonschachteln mit grünen Etiketten, zu je 20
Stück verpackt,
Die Manipulierpatrone: Zur Einübung des
Füllens und Entleerens des Magazins, zum Laden
und Entladen, zur Demonstration der Funktionen
des Verschlusses und zu Zielübungen sind Mani-
pulierpatronen zu verwenden.
Dieselben sind an der Rillein der Hülse kenntlich,
Die Verwendung scharfer Patronen an Stelle
von Manipulierpatronen ist verboten.
uw
>)
Pistole 1900/06.
= 23
Fig. Benennung Fig Benennung
‘der Bestandteile ‘| der Bestandteile
1 | Lauf 15a) Verschioss-Vordergelenk-
2 | Korn Spannase
3 | Gabelgehäuse 16 Verschluss-
ad, Grenzstollen Hintergelenk
6| Führungen zum a‘ Visier
Griffstück b Gelenkknöpfe
c, Verschlussbolzenlager c| Bohrung für den Ver-
4 | Verschlussbolzen schlussholzen
5 | Auswerfer 17 | Kette
a ; -Stollen | 18 | Griffstück
b = -Ansatz a‘ Führungen
c| . -Nase b| Durchbrechung
6 | Abzugstange c|} Anschlagkurven
a 5 -Rast | 19 | Riegel
7 Schnappstift 20 „ Feder
8 | Ahzugstangenfeder 21 | Abzug
9 | Verschlusszylinder 22 „ -Feder
‘10 | Schlagstift 23 | Magazinhalter
a ve -Rast 24 5 -Feder
tt | Schlagfeder 25 | Verschlussfanggelenk
12 | Bodenstiick 26 3 -Feder
a s -Stellansatz | 27 | Schliessfeder
13 | Auszieher 28 | Zugstange
14 | Auszieherfeder 29 | Winkelhebel
15 | Verschluss- 30 | Sicherungshebel
Vordergelenk a | -Pivotzapfen
Fi Benennung Fi Benennung
9% der Bestandteile |''S der Bestandteile
b| Sicherungshebel- | 35 | Deckplatte
Stollen | 36 | Abzugwinkelhebel
c „Flügel | 37 | * -Stift
d » Zunge | 38 | Magazinblechkasten
31 | Sicherungsfeder 39 | Patronenzubringer
32 | Sperrhebel 40 | Führungsknopf
a x -Kralle | 41 | Magazinfeder
33 | Griffschale 2 | Druckknopf
34 » Schraube 3 | Bodenstück
Putzzeug:
A Putzstockheft.
B Putzstock mit Schraubenzieher.
C Verlängerungsstück,
D Borstenwischer,
E Wischkolben.
— 24 —
Einige Angaben betreffend die Pistole 1900/06.
Waffe.
Kaliber . :
Anzahl Züge .
Drallänge (rechtsgängig)
Länge des Laufes
„ der Visierlinie
Gewicht ohne Magazin
des Magazins
”
Munition:
Gewicht der Patrone
; „ Ladung
des Geschosses
”
Leistung.
Anfangsgeschwindigkeit Vio =
Maximale Tragweite zirka
beim Abgangswinkel :
Schussgeschwindigkeit im mechan,
Schnellfeuer mit bereitgehaltenen
Magazinen zirka . » .
Durchschlagskraft ve 50 m):
Tannenholz Se
Buchenholz
7.05 mm
4
250 Pi
122 fs
ZIELT
835 gr
56 =
10,5 gr
0,30 4
6,0
350 m
1800 5
27° 30°
100 Schiisse
150 mm
60 5
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