German Patent DRP 75,837 — Borchardt, Selbsttätige, besonders als Repetirpistole verwendbare Feuerwaffe (1893)
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PATENTSCHRIFT
— M 75837 —
KLASSE 72: ScHusswArFEN UND GESCHOSSE.
HUGO BORCHARDT ın BERLIN. .
Selbstthätige, besonders als Repetirpistole verwendbare Feuerwaffe.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 9. September 1893 ab.
Den Gegenstand der Erfindung bildet eine
Feuerwaffe, speciell eine Repetirpistole, bei der
durch den Rückstofs beim Abfeuern der Ver-
schlufs geöffnet, die leere Hülse ausgezogen
und ausgeworfen, der Schlagbolzen gespannt,
die in den Laderaum aus dem Magazin ein-
getretene Patrone in den Lauf geschoben und
der Verschlufs bewirkt wird, so .dafs die
Pistole zum Abfeuern wieder fertig ist.
In der Zeichnung stellen Fig. + und 2 die
neue Pistole in der linken Seitenansicht und
von oben gesehen in geschlossenem Zustande
dar.
Fig. 3 ist ein axialer Horizontalschnitt in ge-
schlossenem gespannten Zustande.
Fig. 4 ist ein verticaler Längsschnitt in ab-
gefeuertem Zustande,
Fig. 5 . eine theilweise geschnittene linke
Seitenansicht in geschlossenem Zustande.
Fig. 6 zeigt die Pistole ganz geöffnet und
theilweise axial und vertical geschnitten.
Fig. 7 ist ein verticaler Querschnitt der
Fig. 5.
Fig. 8 bis ı2 zeigen das in den Griff ein-
schiebbare Patronenmagazin und Einzelheiten
in verschiedenen Ansichten und Schnitten.
Fig. 13 ist eine Oberansicht des Laufes 5
mit seiner gabelförmigen Hülse h,
Fig. ı4 eine Seitenansicht,
Fig. ı5 ein verticaler Querschnitt durch die
Hülse h,
Fig. 16 eine Seitenansicht des Grif tii
Fig. 17 bis tg zeigen die schematische’ Dar
stellung der Theile beim Oeffnen des Ver-
schlusses in drei Stellungen.
L_
Die Pistole besteht aus vier Haupttheilen,
nämlich dem Kolben k, der mit dem Abzugs-
bügel und dem Schlofskasten a ein Stück, das
Griffstück, bildet, dem Lauf b, der sich mit
seiner gabelförmigen Hülse h in dem Schlofs-
kasten führt, dem Verschlufsblock c mit Schlag-
bolzen d, Froschgelenk ff!, Federn und was
sonst dazu gehört, und der Abzugseinrichtung.
Patronenmagazin, Sicherung etc. sind vor-
gesehen. Die Munition besteht aus Metall-
patronen mit Zündhütchen im Boden, welche
aus einem im Kolben k untergebrachten Blech-
magazin m durch eine Feder m® vor den Ver-
schlufsblock c gebracht werden, sobald der
letztere seine äufserste Lage nach hinten er-
reicht hat, und welche nach ihrem Einschieben
in den Lauf 5b und nach geschehenem Ver-
schlufs durch den beim Abdrücken vor-
schnellenden Schlagbolzen d abgefeuert werden.
Der dabei auftretende Rückstofs treibt den
Lauf b zusammen mit der Hülse h, welche die
beweglichen Theile des Schlosses trägt, in den
Nuthen des Schlofskastens a nach hinten. Am
Ende. der Hülsenarme h befindet sich eine
Querwelle h!, die das hintere Glied f! des
zwischen den Hülsenarmen liegenden Frosch-
gelenkes trägt, und deren vorstehende Enden
sich in einem Schlitz des Schlofskastens a (in
Fig. ı punktirt angegeben) führen und den
Rückgang ‘des Laufes begrenzen. Diese Schlitze
‚sind ‘durch Deckplatten h? bedeckt, welche die
lle Ai: gegen * seitliche
' Das “hintere’Ende des Gliedes fi ist
verbreitert, so dafs es zwischen die Wände des
Schlofskastens a pafst, und trägt mehrere Rei-
bungsrollen f?, deren Bestimmung weiterhin
Verschiebung
erklärt werden wird. Das vordere Ende des
Gliedes f! ist zu einem auf beiden Seiten über
die Hülse h hinausgreifenden Griff g_ ver-
breitet, um den Verschlufs mit der Hand
öffnen zu können, und in der Mitte mit dem
hinteren Ende des vorderen Gliedes f des
Froschgelenkes gelenkig verbunden. Das vordere
Ende des Gliedes f ist an den Verschlufs-
block c auf dessen Oberseite angelenkt und
besitzt auf seiner linken Seite eine nach unten
vorspringende Nase, Fig. 6, die. von vorn
gegen den Abzugsstollen d' des im Innern des
Verschlufsblockes c liegenden Schlagbolzens d
einwirkt. Der Verschlufsblock c gleitet mit
zwei Seitenrippen in Nuthen, die in den
Innenflichen der beiden Hülsenarme h vorge-
sehen sind (Fig. 7). Die linke Seitenrippe
ist wiederum der Länge nach genuthet, um
dem Schnabel des. Abzugshebels i freie Bahn
zu geben (Fig. 3 und 6), so dafs er den in
diese Nuth hineinragenden Abzugsstollen d!
treffen, gegebenenfalls beim Vorschieben des
Verschlufsblockes c festhalten und auf diese
Weise den Schlagbolzen d spannen kann. Der
Schlagbolzen d ist, abgesehen vom Stollen d,
hohl und wird von einer in ihm liegenden
Schraubenfeder bethätigt, deren hinteres Ende
sich auf die Verschraubung des hinteren Endes
der Höhlung des Verschlufsblockes c stützt
(Fig. 4). Das vordere Ende des letzteren ist
für den Patronenboden ausgefräst, oben mit
einem federnden Auszieher j mit Kralle aus-
gerüstet und unten mit einem Einschnitt ver-
sehen, in den der federnde Auswerfer | ein-
tritt, sobald der Verschlufsblock c seine äufserste
Stellung nach hinten einnimmt.
Der Schlofskasten a ist an seinem hinteren
Ende geschlossen bis auf die für die Federn
no nöthigen Durchbrüche, und geht die Form
der Hinterwand des Gleitstückes a! aus Fig. 3,
4, 5 und 6 hervor. Durch zwei Ohren am
äufsersten Ende ist eine Schraube p gezogen,
die einestheils eine Schutzkappe p!, die zwi-
schen die Wände des Schlofskastens a einge-
setzt ist, festhält, anderentheils dazu dient, die
Schlufsfeder n in der richtigen Lage zu halten.
Das kürzere Ende dieser Feder n legt sich
gegen die untere Hinterwand des Schlofs-
kastens a, dann biegt sich die Feder n um
eine auf die Schraube p gesteckte Rolle und
geht in schlankem Bogen an das untere Ende
der in passender Ausnehmung des hinteren
Gliedes f! des Froschgelenkes schwingenden
Kette n!, deren Seitenwarzen sie mit . zwei
Krapfen erfafst (Fig. 4). Eine zweite Feder,
die Bufferfeder o, wird im hinteren unteren
Theil des [email protected] den;.Quer3
stift 0! festgehalten. -Der...vordere gi
Theil dieser Feder 0 ist nach. oben ‘geb:
und gestattet der Feder n, gegebenenfalls: zwi-
schen den Blättern der Gabel durchzutreten.
Beim Abfeuern der Pistole wird, wie schon
erwähnt, der Lauf 5 und die Arme der Hülse h
mit der Querwelle h! nach hinten getrieben,
bis die Rollen f? des Gliedes f! an das Gleit-
stück a! anstofsen und durch die Form .des-
selben gezwungen werden, nach unten hin zu
gehen. Dädurch hebt sich das Froschgelenk um
sein Mittelgelenk nach oben und der Ver-
schlufsblock c geht nach hinten, bis die
Stellung der Theile wie in Fig. 6 erreicht ist.
In dieser Stellung wird auch die leere Patronen-
hülse, die an den Auswerfer J stöfst, ausge-
worfen, nachdem sie gleich nach Beginn dieser
Bewegungen vom Auszieher j aus dem Lauf
gezogen war. Der Rückstofs und die dadurch
erzeugte kinetische Energie der bewegten Theile
überwindet dabei die Spannung der Schlag-
bolzenfeder und der Schlufsfeder x, so dafs
die Bufferfeder o, welche die Rollen f? auf-
fängt, nur noch wenig zu thun hat, um jene
nach hinten wirkenden Kräfte aufzuheben. Da-
durch übt die Pistole beim Schiefsen so gut
wie gar keinen Stofs auf die Hand des
Schützen aus. Sobald nun die Rückstofsarbeit
verbraucht ist, treten die gespannten Federn in
Thätigkeit. Die Feder n zieht das Frosch-
gelenk ff}, anfangs unterstützt von der Fe-
der 0, wieder gerade, der Verschlufsblock c
schiebt die vorgesprungene Patrone in den
ebenfalls wieder nach vorn gegangenen Lauf 6
und der Abzugsstollen d! wird dabei vom
Schnabel des Abzugshebels i in gespannter
Stellung festgehalten. Diese Bewegungen gehen
so schnell vor sich, dafs das Auge denselben
nicht folgen kann und der Finger, der die.
Abzugszunge q gezogen hat, gar nicht die
Zeit hat, dieselbe loszulassen. Damit der Ab-
zugsstollen d! den Schnabel des Abzugs-
hebels i dennoch wieder vorgesprungen vor-
findet, wenn der Verschlufsblock c den Ver-
schlufs bewirkt, besitzt der Hebel i an seinem
vorderen Ende einen Stift i}, der ganz in eine
axiale Bohrung des Hebels i, entgegen einer
Schraubenfeder, zurückgehen kann, hervor-
gedrückt aber unter dem abgeschrägten Ende
des Abzuges g!, Fig. 5, liegt. Der auf der
linken Seite des Schlofskastens a vor dem
Kolben %k liegende, in einer kreisbogenförmigen
Nuth des Schlofskastens a geführte und durch
eine Deckplatte in derselben festgehaltene Ab-
zug g! ist mit der durch eine Feder nach
vorn bethätigten Zunge g und der Gegen-
zunge g? aus einem Stück, Die seitliche Lage
dieser Theile hat Veranlassung gegeben, die
Zungen g und g? und damit auch den Abzugs-
bügel aus der Mittelebene der Waffe einseitig
nks’ zu legen, obschon diese Theile auch
“Mittelebene gebracht werden könnten.
“Der. hintere Arm des Hebels i, also auch sein
“Schnabel, wird durch die Feder i? stets nach
innen gedrückt.
Die Fig. 5
feuern. Wird die Zunge g nach hinten ge-
zogen, so gleitet das obere abgeschrägte Ende
des Abzuges g' über den Stift 7! und drückt
dieses Ende des Abzugshebels i nach innen,
wodurch das hintere Ende, der Schnabel, den
Abzugsstollen d! des Schlagbolzens d frei-
giebt: der Schufs geht los. Durch den Rück-
gang des Laufes 6 und der Hülse h wird auch
der an letzterer sitzende Hebel 7 nach hinten
bewegt und der Stift i! unter dem Abzug g!
nach hinten vorgezogen, so dafs der Schnabel
des Hebels i durch die Feder 7? nach innen
gedrückt wird.
Der mit dem Verschlufsblock c wieder nach
vorn springende Abzugsstollen d! bleibt am
Schnabel des Hebels i hängen und der Schlag-
bolzen d wird gespannt. Nun geht dabei aber
auch der Hebel 7 nach vorn und der Stift i!
trifft auf den hochgeschobenen Abzug g! von
hinten und geht dabei in die Bohrung des
Hebels i hinein. Ein Loslassen der Zunge g
bezw. ein Nachvornbewegen der Gegenzunge g?
bewegt das Ende des Abzuges q! nach unten,
so dafs der Stift i! in seine normale Stellung
vorschnellen kann. Die Waffe ist wieder fertig :
zum Abfeuern.
Die Patronen liegen in einem passenden
Blechmagazin m, welches in den hohlen Kol-
ben k von unten eingeschoben und in seiner
Lage durch einen federnden Schnepper r,
Fig. 5 und 6, gehalten wird, der in einen
entsprechenden Ausschnitt m! am oberen Ende
der vorstehenden Rippe, in der die Blech-
wände vereinigt sind, einschnappt (Fig. 9 bis 12).
Ein Druck auf den an der linken Seite des
Schlofskastens a vorstehenden Schnepper r
macht das Magazin m frei, so dafs es an
seinem unteren Griffstück #2? nach unten aus
dem Kolben %k herausgezogen und durch ein
gefülltes ersetzt werden kann. Die Patronen
werden gegen den Druck der dieselben nach
oben treibenden Feder m*, Fig. 11, im Maga-
zin m dadurch festgehalten, dafs die Seiten-
wände desselben übergreifende Lippen nt be-
sitzen, welche die hintere Hälfte der obersten
Patrone theilweise übergreifen (Fig. 8 und 9).
Die Hinterseite des Magazins m ist oben etwas
ausgerundet, so dafs der nach vorn gehende
Verschlufsblock ¢ die oberste Patrone nach
vorn aus den Lippen m? heraus und in den
Lauf schieben kann. Der Schnepper r, Fig. 5,
7 und 12, wird durch die Flachfeder r!, die
zugleich unter den Sicherungsschieber u greift,
um letzterem eine sanfte Bewegung zu er-
zeigt die Waffe fertig zum Ab- |
Lo)
theilen, bethatigt. Der Sicherungsschieber 1
gleitet und wird geführt (Fig. 1, 2, 5 und 7
in einer vertical in die linke Aufsenwand des
Schlofskastens a eingeschnittenen passenden
Nuth. Wenn nicht gesichert ist, steht die
Oberkante des Schiebers uw mit der des Schlofs-
kastens a bündig, Zum Sichern wird der
Schieber u nach oben über den hinteren Arm
des Abzugshebels i hinter einen Ansatz des-
selben geschoben, wodurch derselbe verhindert
wird nach aufsen auszuweichen, und wodurch
auch der Lauf 5 mit der Hülse h unbeweglich
gemacht ist. Zugleich wird damit die Zunge g
festgestellt, weil der Abzug g! über dem jetzt
unbeweglichen Stift 7! des vorderen Armes des
Hebels i lieg. Sowohl der Sicherungs-
schieber wz, als auch der Schnepper r wird
bequem mit dem Daumen der rechten Hand,
welche die Pistole am Kolben k hält, be-
thätigt. Das Visir v ist oben auf dem Gleit-
stück a! des Schlofskastens a, das Korn v!
auf dem Lauf 6 am vorderen Ende ange-
bracht, wodurch ein sehr genaues Zielen er-
möglicht wird.
PaTENT-ANSPRUCHE:
1. Selbstthätige, besonders als Repetirpistole
verwendbare Feuerwaffe mit Kastenmagazin,
dadurch gekennzeichnet, dafs an der mit
dem Lauf /b) fest verbundenen Verschlufs-
hülse /h) die Verschlufs- und Abfeuerungs-
vorrichtungen angebracht sind, während
das Griffstück (a), in dessen Führungen die
Verschlufshülse hin- und hergleitet, die
zum selbstthätigen Oeffnen und Schliefsen
des Verschlusses dienenden Vorrichtungen
trägt und das Kastenmagazin in seinem
Kolben aufnimmt.
2. Eine Ausführungsform der unter ı. ge-
kennzeichneten selbstthätigen Feuerwaffe,
bei welcher ein den Lauf (6b) und den
Verschlufsbolzen (c) verbindendes Knie-
gelenk (ff!) beim Rückgang der Ver-
schlufshülse dadurch aus seiner die Ver-
riegelung bewirkenden Strecklage gebracht
wird, dafs ein Arm (f?) des einen Gelenk-
theiles /f!}) gegen eine in dem Griffstück
angeordnete gekriimmte Anschlagfläche (a!)
anstöfst.
3. Eine Ausführungsform der unter ı. bezw.
2. gekennzeichneten selbstthätigen Feuer-
waffe, bei welcher die gekrümmte Anschlag-
fläche (a!) in Bezug auf den Lauf jenseits
des Kolbens /k) liegt.
Hierzu 3 Blatt Zeichnungen.
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